Amalie Beer

Lieber guter Meyer, ich freue mich herzlich aus Deinem Scheiben von 6t zu ersehen, daß Dir die dortigen Gegenden so sehr gefallen, solche Natur Schönheiten können einen zu allen Guten stimmen. Ich hatte vor einigen Tagen eben ein solches Schauspiel der Natur, indem ich den Sonnen Untergang bei der See wahr nahm. Dir einen Begriff hir von zu machen möchte mir schwerlich gelingen, genung ich kann Dir nicht mehr sagen, daß ich mich nie in einer Religiösen Stimmung fühlte als in diesen Augenblick, solche Momente mein lieber Meyer suche wahrzunehmen wo Du die Allmacht Gottes bewundern kannst, und ich bin überzeugt, daß Deine Religiösitat, dadurch so befestiget wird, daß Du nie von rechten Wege weichen würst. Aber wo gerathe ich hin ich wollte Dir von diesen Schauspiel der Natur ein Begrif machen, und fang zu moralisirn an, und dieses ist bei Dir mein Lieber nicht nöthig, Du bist immer gut gewesen und wirst es mit der göttlichen Hülffe bleiben, indeß betrachte es nur als ein mütterlichen Rath die dich so lieb hat, und es so gut mit Dir meint.

Amalie Beer schrieb diese Zeilen am 23. Juli 1810 an ihren Sohn in Darmstadt. Amalie weilte im Juli des Jahres im Seebad Doberan (Heiligendamm) an der Ostsee. 1793 wurde das erste deutsche Seebad von Friedrich Franz I., Großherzog von Mecklenburg gegründet.

Meyerbeer vergötterte seine Mutter.

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