Biografische Skizzen

5. September 1791

Meyerbeer wird als Meyer Beer in Tasdorf/Vogelsdorf, dem heutigen Rüdersdorf bei Berlin geboren. Sein Vater Jacob Herz Beer (1769-1825) stammt aus Frankfurt an der Oder und ist ein erfolgreicher Unternehmer und Bankier. Amalie Beer (1767-1854), seine Mutter, ist eine Tochter des Liepmann Meyer Wulff (1745-1812). Amalie führt einen hoch angesehenen Salon, der weit über die Grenzen Berlins hinaus bekannt ist. Ihre Wohltätigkeit ist legendär. Jacob Herz Beer ist einer der Gründer des Luisenstifts und des Königstädtischen Theaters. Beide Familien zählen zum Reformflügel der Jüdischen Gemeinde. Im Elternhaus verkehren jüdische Aufklärer wie David Friedländer oder Aaron Wolfssohn. Meyerbeer hat drei jüngere Brüder: Heinrich Beer (1794-1842), Wilhelm Beer (1797-1850) und Michael Beer (1800-1833). Wilhelm ist Unternehmer, Astronom und politisch tätig; Michael ist Schriftsteller und Dramatiker, während Heinrich mehr oder weniger als Exzentriker und Nonkonformist glänzt.

Überreste des Geburtshauses in Rüdersdorf, Gemälde von Bernd W. Kliche

Alle Zitate erscheinen kursiv gedruckt und sind selbstverständlich belegt.

1798

Aufnahme des Klavierunterrichts bei dem aus Böhmen stammenden Virtuosen und Komponisten Franz Seraphinus Lauska (1764-1825), der auch die Königlichen Prinzessinnen und Prinzen unter seinen Fittichen hat. Lauska unterrichtet später auch Fanny und Felix Mendelssohn Bartholdy. Letzterer zählt zum vierblättrigen Kleeblatt der Meyerbeerschen Todesfeinde.

1800

Berlin hat 170000 Einwohner. Der jüdische Bevölkerungsanteil liegt bei etwa 2 Prozent. Familie Beer gehört zur sehr dünnen Oberschicht, die zu großem Reichtum gelangten. Die meisten Juden leben in prekären Verhältnissen und stehen ganz am Rande der Gesellschaft. In Berlin gibt es keine ausgewiesenen Ghettos. Liepmann Meyer Wulff erlangte sein Vermögen als Lieferant des Heeres, er war Pächter der preußischen Lotterie, Bankier und Mitglied des Ältestenrates der jüdischen Gemeinde. Wulff ging als Krösus von Berlin in die Geschichtsbücher ein.

14. Oktober 1801

Meyerbeer debütiert in Berlin als Pianist mit Mozarts Klavierkonzert d-Moll, KV 466. Er ist der erste Jude, der in der Öffentlichkeit als Virtuose wahrgenommen wird. Er hat große Erfolge in öffentlichen Konzerten und begleitet seinen Lehrer Lauska auf Konzertreisen. Das Mozartsche Konzert führt er mehrmals auf. KV 466 ist bis heute eines der beliebtesten Konzerte. Mozart ist für Meyerbeer ein musikalisches Ideal. Einer seiner Lieblingskompositionen aus Mozarts Feder: das göttliche Ave verum, KV 618.

1803

Meyerbeer tritt in die Sing-Akademie zu Berlin ein und wirkt bis zum Stimmbruch bei zahlreichen Konzerten im Alt mit. Darunter sind Motetten Johann Sebastian Bachs und Georg Friedrichs Händels Oratorium Das Alexanderfest. Zu Bach findet Meyerbeer später einen eigenen Weg. Er liebte besonders die Kantate BWV 106, bekannt unter dem Namen Actus tragicus: Gottes Zeit ist die allerbeste Zeit. Die 1791 von Carl Friedrich Christian Fasch (1736-1800) begründete bürgerliche Chorvereinigung ist besonders berühmt für gemischte a cappella Kompositionen, die im Trend der Zeit liegen. Meyerbeer erhält Kompositionsunterricht bei Carl Friedrich Zelter (1758-1832), der nach Faschens Tod die Leitung des Chores übernimmt. Zelter gelingt es wohl nicht, den immensen Wissensdurst seines Schülers wirklich zu erfüllen. In einem Brief an Goethe bezeichnet Zelter Meyerbeer als einen seiner Jünger. Für Amalie Beer steht im Nachhinein fest: es ist schade daß er 2 Jahre so unnütz bey Zelter zu gebracht hat. Diese 2 Jahre sind ganz als verlohrene anzusehen.

Spätestens 1805

Meyerbeer wird von Hauslehrern in Deutsch, Geschichte, Geographie, Mathematik, Philosophie, Italienisch und Französisch unterrichtet – eine umfassende humanistisch-wissenschaftliche Ausbildung. Er beherrscht, neben seiner Muttersprache Deutsch, Italienisch und Französisch perfekt in Wort und Ton, hat profunde Kenntnisse in Latein und wahrscheinlich in Altgriechisch. Sein Erzieher und Vertrauter Aaron Wolfssohn (1756-1835), ein Radikalaufklärer, unterweist ihn in die Grundlagen der hebräischen Sprache und steht ihm moralisch zur Seite.

1807

Beginn der Studien und des Kompositionsunterricht unter dem Königlichen Kapellmeister Bernhard Anselm Weber (1764-1821). Weber ist ein hervorragender Dirigent der Opern Christoph Willibald Glucks, und Berlin ist bekannt für exzellente Aufführungen einer Armide, eines Orpheus und der beiden Iphigenien. Das Berliner Publikum verehrt Gluck. Friedrich Wilhelm IV., der spätere Dienstherr Meyerbeers, outet sich sogar als Glucksüchtig. Meyerbeer lernt viel von Weber, er verfolgt die Proben und Aufführungen und kennt die Partituren in- und auswendig. Meyerbeer hat ein phänomenales Gedächtnis, nichts wird vergessen, so oder so. Gluck ist für ihn, neben Mozart, ein großes Vorbild, ein musikalisches Ideal. Beide finden ihren Weg nach Paris, wo sie ihre großen Erfolge haben.

Brief an die Sängerin Gabrielle Delphine Ugalde (1829-1910). Sammlung T.K.

1. April 1810

Meyerbeer verlässt Berlin und begibt sich nach Darmstadt in die musikalische Schule Georg Joseph Voglers (1749-1814). Der Weggang aus Berlin beflügelt ihn, es ist ein Befreiungsschlag. Heraus aus der preußisch-biederen Hauptstadt, die noch längst keine Metropole ist. Meyerbeer will die Welt entdecken. Er ist ehrgeizig, wissensdurstig und voller Tatendrang. Er weiß, was er kann und was er noch lernen möchte. Bevor er Berlin für viele Jahre den Rücken kehrt, legt er sich ein Stammbuch an, worin sich Eintragungen der Familie und des Berliner Freundes- und Bekanntenkreis befinden. Sein Lehrer Weber schreibt: Fürchte Gott! Liebe Deinen Nächsten! Thue recht, Scheue Niemand! Im Glück und Unglück Sei Deiner mächtig. Johann Friedrich Reichardt (1752-1814), der ehemalige Königliche Hofkapellmeister unter Friedrich II., verfolgt mit großer Aufmerksamkeit die musikalische Entwicklung des jungen Meyerbeer. Reichardt, der seiner demokratischen Gesinnung wegen 1794 von Friedrich Wilhelm III. als Königlicher Kapellmeister nach immerhin 19 Dienstjahren entlassen wird, ist ein gern gesehener Gast im Hause Beer. Ein Gast, der kein Judenhasser ist. Die Familie hat ein Gespür für wahre oder geheuchelte Freundlichkeit. Reichardt schreibt in Meyers Stammbuch: Was den Menschen entzückt, womit er andere beglücket, Gab Dir Natur und Geschick, lerne nun auch vollbringen Was reiner Will’ und steter Eifer allein vollenden, Und im Beglücken Vieler bist Du dann hoch beglückt.

Sammlung T.K.

In Darmstadt befreundet sich Meyerbeer mit Carl Maria von Weber (1786-1826) und Gottfried Weber (1779-1839). Weber ist Jurist, Komponist und Musiktheoretiker und ebenfalls ein Schüler Georg Joseph Voglers (1749-1814). Alle sind Mitglieder des von Weber gegründeten Harmonischen Vereins. Gründungszweck: Schriftstellerischer Lobbyismus. Meyerbeer schreibt u.a. eine Rezension anlässlich der Uraufführung von Webers Silvana am 16. September 1810 in Frankfurt am Main. Sein Pseudonym ist Julius Billig. Alle Mitglieder des Vereins verschleiern ihre wahre Identität. Simon Knaster, Melos oder Fräulerin Seraphine von Blocksberg sprechen für sich. Meyerbeers Bundesname: Philodikaios.

Meyerbeers Portemonnaie ist immer gut gefüllt, und er ist großzügig. Das Trio Weber-Meyerbeer-von Weber unternimmt Ausflüge in die Umgebung und lässt es sich gut gehen. Überliefert ist auch ein Besuch im nahe gelegenen Frankfurt, wo sie in öffentlichen Häusern gewisse Dienste in Anspruch nehmen. Sind halt aso, die jungen Leut’! – Ja, ja! sinniert die Marschallin im Strausssschen Rosenkavalier. Meyerbeer vertraut seinem Tagebuch ein recht pikantes Erlebnis an, das wir hier aber aus Gründen der Diskretion und des Jugendschutzes nicht zitieren werden. Wir bitten um Verständnis.

17. März 1811

Bernhard Anselm Weber führt in einem Wohltätigkeitskonzert zugunsten des Friedrichstifts, einer sozialen Einrichtung für arme Soldatenkinder, erstmals Meyerbeers 98. Psalm für Chor und Orchester auf. Singt dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder. Er schafft Heil mit seiner Rechten und mit seinem heiligen Arm. Das Autograph dieser Komposition befindet sich im verschollenen Nachlass Meyerbeers. Zumindest sind Rezensionen überliefert. Der Kritiker Johann Karl Friedrich Rellstab (1759-1813) schreibt in der Allgemeinen musikalischen Zeitung :

Den Beschluß des ersten Theils machte der 98ste Psalm nach Moses Mendelsohns Uebersetzung, componirt von dem jungen talentvollen Meyer Beer, der jetzt bey dem Abt Vogler sich noch mehr auszubilden strebt. Wenn auch häufige Spuren der Jugend in dem Werke nicht geleugnet werden können, so zeugen doch ebenso viele gute und brave Stellen von dem ächtmusikalischen Geiste, der unter guter Leitung noch manchen schönen Genuss verspricht.

8. Mai 1811

Erfolgreiche Uraufführung des Oratoriums, der lyrischen Rhapsodie Gott und die Natur in Berlin. Bernhard Anselm Weber dirigiert. Das Textbuch verfasst Aloys Wilhelm Schreiber (1761-1841). Dessen Lehrbuch der Aesthetik (1809) ist seinerzeit recht bekannt. Meyerbeer reist zur Aufführung nicht nach Berlin. Sein Verhältnis zu Berlin ist und wird schwierig bleiben. Johann Karl Friedrich Rellstab rezensiert das Werk am 14. Mai 1811 und zollt dem Werk Respekt und Anerkennung:

In dieser Rhapsodie sind die Blumen, die Elemente, personificirt und singend eingeführt. Der junge Komponist, welcher jetzt bei Vogler die Schule macht, ist in diesem Stücke sehr zu seinem Vortheile aufgetreten. (…) Unter den Chören ist wohl das erste das schwächste, und das letzte das beste. (…) In den übrigen Chören fand man viel Arbeit und bewegende Bässe nach Haßens Manier, Kraft in Händels Styl, Malerei und Wirkung nach Haydn’s Musterkarte. Der Styl war im Ganzen gut und gleich gehalten, nicht in strengem Kirchenstyl, sondern im ernsten Kammerstyl.

22. Mai 1811

In einem Brief Meyerbeers an Gottfried Weber, bezieht er sich Meyerbeer auf Rellstab und dessen Kritik zu Gott und die Natur. Rellstab zählt er zu seinen Feinden, da er einige Monate vorher so beißend über mich abgeurteilt hat. Dies betraf den 98. Psalm. Doch nun empfindet er eine innere Genugtuung. Welche Demütigung für diesen Elenden, so fast wider seinen Willen mich loben zu müssen! Abgesehen davon, äußert sich Meyerbeer niemals öffentlich zu Rezensionen seiner Kompositionen, genau so, wie er in der Öffentlichkeit zu keiner Zeit ein böses Wort über seine komponierenden Kollegen und deren Werke verlautbaren lässt. Umso eindeutiger sind die Tagebücher.

Sammlung T.K.

April 1812

In Würzburg, wo Meyerbeer seine Oper Jephtas Gelübde vollendet, beginnt er ein Tagebuch zu führen. Der erste Eintrag:

Schon im Anfange des Januars war es bestimmt, daß Vogler & ich nach München gehen sollten. Deshalb verschob ich den Anfang des Tagebuches von 1812 von Tag zu Tag, weil ich es gern mit der Reise beginnen wollte. Allein diese Reise veschob sich aus tausend verschiedene Gründe (sic) bis zum 8. März (Sonntag), wo wir dann endlch von Darmstadt abreisten & den 9. abends in Würzburg ankamen. Dort mußte ich leider 5 Wochen bleiben, indem Vogler 3 Orgelkonzerte geben wollte, welchen ich sehr gern beigewohnt hätte. Allen nach Verlauf der 5 Wochen war erst ein Orgelkonzert gegeben & da ich notwendigerweise bald in München sein muß, indem ich dort eine neue Oper “Jephtas Gelübde” (welche ich den 6. April in Würzburg vollendet habe) auf die Bühne zu bringen suchen will, so beschloss ich von Vogler abzureisen.

13. April 1812

Es ist ein Montag. Meyerbeer hält sich in Bamberg auf. Zusammen mit Vogler besucht er das Institut der unheilbaren Kranken, dessen Vorsteher (ein katholischer Pfarrer) ein Bekannter des Herrn Professors war. Nach dem Mittagsmahl geht es per pedes, vorbei an malerischen Landschaften, in das nahe gelegene Bug, wo es zu einer historischen Begegnung zwei hochkarätiger Genies kommt. Meyerbeer hält das Rendezvous in seinem Tagebuch fest: Der Weg dahin ist ungemein romantisch. In Bug waren mehrere Gäste, unter andern auch der hiesige Musikdirektor (E. T .A.) Hoffmann, ehemals preussischer Kriegsrat (…). Doktor Feist präsentierte mich ihm, & da ihm mein Name, wie er sagte, schon länger bekannt war, so entspann sich bald eine lebhafte musikalische Unterhaltung. Worüber sie so animierend ins Gespräch kommen, wissen nur die Götter, wenn überhaupt. Vermutlich ging es um das Mysterium der Musik und des Wortes an sich. Ernst Theodor Amadeus Hoffmann (1776-1822) schreibt in Die Serapions-Brüder: Da sind Dichter und Musiker die innigst verwandten Glieder eiiner Kirche: denn das Geheimnis des Wortes und des Tons ist ein und dasselbe, das ihnen die höchste Weihe erschlossen.

25. April 1812

Meyerbeer trifft in München ein, die Ausbildung bei Vogler ist beendet. Durch Empfehlungsbriefe wird er in die Münchner Gesellschaft eingeführt. Wenn ein aufstrebender Virtuose und Komponist Erfolg haben möchte, so führt kein Weg an den Salons vorbei, wo man quasi durchgereicht wird. Mit viel Glück winkt als Belohnung ein eigenes Konzert. Meyerbeers Klavierspiel erregt Bewunderung. Er ist einer der besten Pianisten seiner Zeit.

Sammlung T.K.

16. August 1812

Tod des geliebten Großvaters Meyer Wulff. In einem Kondolenzbrief an seine Mutter gibt ihr Meyerbeer ein feierliches Versprechen, immer in der Religion zu leben, in welcher er starb. Meyerbeer ist sich seiner jüdischen Herkunft, mit allen Konsequenzen, die sich daraus ergeben, immer bewusst. Die antijüdischen Ressentiments sind allgegenwärtig.

23. Dezember 1812

Uraufführung der Oper Jephtas Gelübde mit mäßigem Erfolg im Hof- und Nationaltheater zu München. Aloys Schreiber verfasst das Libretto.

6. Januar 1813

Uraufführung des Lustspiels mit Gesang Wirth und Gast oder Alimelek in Stuttgart. Das Textbuch schreibt Johann Gottfried Wohlbrück (1770-1822) nach einer Erzählung aus Tausend und einer Nacht.

12. Februar 1813

Der Großherzog von Hessen-Darmstadt ernennt Meyerbeer zum Hofkompositeur. Ein Ehrentitel.

12. März 1813

Ankunft in Wien. Es ist die Zeit des Wiener Kongresses. Begegnungen u. a. mit Antonio Salieri, Ignaz Moscheles, Louis Spohr. Meyerbeer glänzt in den Salons als virtuoser Pianist.

2. Januar 1814

Bei der Aufführung der bombastischen Schlachtensymphonie, von dem schon tauben Beethoven mit dirigiert, wirkt Meyerbeer an der großen Trommel mit und schlägt vor Aufregung wohl nicht ganz im Takte. Beethoven kanzelt ihn ab. Das sitzt bis heute. Entmutigt durch den schwachen Erfolg seiner deutschen Opern kommt es zu einer Schaffenskrise. Er ist unschlüssig, ob er seine Karriere als Klaviervirtuose oder Komponist fortsetzen soll.

30. November 1815

Meyerbeer reist zum ersten Mal nach Paris. Das Flair der Stadt überwältigt ihn.

Sammlung T.K.

3. Dezember 1815

In Dover betritt Meyerbeer in Begleitung seines Bruders Wilhelm nach einer stürmischen Überfahrt erstmals britischen Boden. Bereits in Paris nimmt er englischen Sprachunterricht.

1816

Beginn der Reise durch Italien: Verona, Rom, Neapel, Venedig, Aquaro, Mailand … und Sizilien. Eine Bildungsreise mit viel Kultur. Meyerbeer sammelt Volksweisen und schreibt sie auf. Rossinis Tancredi zieht ihn in den Bann.

April 1817

Im Musikverlag Peters in Leipzig erscheinen die Hymne an Gott und die Geistlichen Lieder auf Texte Friedrich Gottlieb Klopstocks (1724-1803)

Sammlung T.K.
Sammlung T.K.

19. Juli 1817

Inspiriert durch Rossini, komponiert Meyerbeer seine erste italienische Oper: Romilda e Costanza (Melodrama semiserio, 2 Akte). Das Libretto stammt von Gaetano Rossi (1774-1855). Die Rezensionen der Uraufführung in Padua im Teatro Nuovo sind erfreulich für ihn.

Brief an Meyerbeers Papierhändler M. Lard, Sammlung T.K.

3. Februar 1819

Uraufführung der Oper Semiramide riconosciuta (Dramma per musica, 2 Akte) im Teatro Reggio in Turin. Das bearbeitete Libretto geht auf Pietro Metastasio (1698-1782) zurück.

26. Juni 1819

Die Oper Emma di Resburgo (Melodramma eroico 2 Akte) wird in Venedig am Teatro San Benedetto uraufgeführt. Das Libretto verfasst Gaetano Rossi. Emma di Resburgo hinterlässt einen starken Eindruck und bringt Meyerbeer allgemeine Anerkennung in Italien ein.

10. Oktober 1819

Im ersten überlieferten Brief in italienischer Sprache unterschreibt er erstmals mit Giacomo Meyerbeer. Einige Briefe, die er aus Paris in Französisch schreibt, unterzeichnet er mit Jacques Meyerbeer. Die allermeisten seiner Briefe unterschreibt er mit Meyerbeer. Nomen est omen.

Sammlung T.K.

11. Februar 1820

Erstaufführung von Meyerbeers Emma di Resburgo in Berlin in deutscher Übersetzung als Emma von Roxburgh im Königlichen Theater. Der Kriegsrat Johann Christian Carl May nimmt sich der Aufgabe an. Übersetzungen sieht Meyerbeer generell skeptisch. Tenor der Rezension in der Allgemeinen musikalischen Zeitung: Meyerbeer füge sich schmiegsam der italienischen Oper an, deren Libretti per se keinen literarischen Tiefgang haben, aber nach deutschen Ansichten dem Inhalt angemessen seyn sollen.

14. November 1820

Die Uraufführung der Margherita d’Anjou (Opera semiseria, 2 Akte) in der Mailänder Scala wird zu einem glänzenden Erfolg. Librettist ist Felice Romani (1788-1865).

12. März 1822

Uraufführung der L’Esule di Granata (Opera seria, 2 Akte) in der Mailänder Scala. Felice Romani schreibt das Libretto. Die Oper hat keinen durchschlagenden Erfolg.

7. März 1824

In Venedig wird die Uraufführung der letzten italienischen Oper Il crociato in Egitto (Opera seria, 2 Akte) zu einem sensationellen Erfolg. Gaetano Rossi schreibt erneut das Libretto. Ein Triumpf sondergleichen – Meyerbeer gehört fortan zur Spitze der europäischen Oper. Der Weg nach Paris, sein eigentliches Ziel, ist geebnet.

Sammlung T.K.

3. August 1824

Anlässlich der Einweihung des Konzertsaals in der Beer’schen Villa im Tiergarten kommt Meyerbeer auf eine kurze Visite nach Berlin. Letzte Begegnung mit Carl Maria von Weber.

Sammlung T.K.

23. Februar 1825

Meyerbeer kehrt nach Paris zurück.

25. September 1825

Erstaufführung von Il Crociato in Egitto im Théâtre Italien in Paris.

27. Oktober 1825

Meyerbeers Vater Jacob Herz Beer stirbt in Berlin. Meyerbeer bleibt der Beerdigung fern.

25. Mai 1826

Meyerbeer heiratet in Berlin seine Cousine Minna Mosson (1804-1886). Warum die Wahl auf jene Minna fällt, ist nicht bekannt. In der Königlichen privilegierten Berlinischen Zeitung (Vossische Zeitung) erscheint die folgende Anzeige: Ihre am 25sten Mai vollzogene eheliche Verbindung beehren sich ihren Verwandten und Freunden hierdurch anzuzeigen J. Meyerbeer Minna Meyerbeer, geborene Mosson. Lea Mendelssohn Bartholdy, die mit ihrem Mann Abraham Mendelssohn 1822 zum Protestantismus übertritt und ihre vier Kinder christlich erzieht, hat ihre spezielle Sicht auf diese Vermählung, was ein bezeichnendes Licht auf die Kluft zwischen konvertierten und nichtkonvertierten Juden wirft. Lea schreibt ihrer Cousine Henriette von Arnstein in Wien, nicht ohne einen Seitenhieb gegen Minna:

Für die Fortschritte des einreißenden Christenthums ins Judenthum zeugt es übrigens, daß in der weitläufigen Mosson-Beer-Eberschen Familie nicht 10 Männer aufzutreiben sind, die der Meyerbeerschen Hochzeit das müngen (d.i. mundartliche, jiddische Variante von Minjan = für einen jüdischen Gottesdienst bedarf es 10 mündiger Männer), auf gut alttestamenarisch, liefern können. Jedermann wundert sich, daß dieser Komponist keine Muse, sondern eine Mosson heirathet, die nicht einmal eine Grazie ist, woraus die Welt schließen wird, es gebe gar keine Musen und Grazien in der Mark, obgleich Goethe einen Titel so geschrieben.

Sammlung T.K.

Aus der Ehe zwischen Minna und Giacomo gehen drei Töchter hervor: Blanka (1830-1896), Cäcilie (1837-1931) und Cornelie (1842-1922). Zwei Kinder sterben im Säuglingsalter, Eugénie (16. August – 9. Dezember 1827) und der einzige Sohn Alfred ((31. Oktober 1828 – 13. April 1829).

1. Januar 1827

Beginn der Zusammenarbeit mit Eugène Scribe (1791-1861).

1830

Das Gebet während des Sturms erscheint, nur eines der weit mehr als einhundert Lieder, Romanzen und Mélodies Meyerbeers.

Sammlung T.K.

15. Januar 1831

Erste Begegnung mit Alexander von Humboldt (1769-1859) in Paris, beide verbindet eine lebenslange innige Freundschaft. Humboldt, der väterliche Freund, wird zum Fürsprecher und Mentor Meyerbeers. Die beiden Kosmopoliten verstehen sich bestens.

21. November 1831

Die Uraufführung der Grand Opéra Robert le Diable in Paris wird zu einem Triumph. Ursprünglich war eine dreiaktige Opéra comique geplant, also mit gesprochenen Dialogen. Das Libretto schreiben Eugène Scribe und Germain Delavigne (1790-1868). Publikum und Kritiker sind begeistert von den opulenten Bühnenbildern, dem Sujet, der grandiosen Musik und der Beleuchtung: Gaslicht! Das ist neu. Einer der Höhepkunkte ist das berüchtigte Nonnenballet. Im fahlen Licht wird der Held durch die sündigen Seelen der Nonnen verführt, doch das Ende ist bitter, denn die begehrenswerten Mädchen verwandeln sich in abscheuliche Fratzen. Novum: die erotisierende Balletszenerie des Robert wird erstmals auf Spitze getanzt! Umjubelter Star ist die Primabellerina Marie Taglioni (1804-1884), die schon zu Lebzeiten eine Legende und ein Mythos ist. Ihr Vater Filippo Taglioni (1777-1871) kreiert die Choreographie. Das Haus rast.

Sammlung T.K.

Alexander von Humboldt ist begeistert und lässt seinen Landsmann einen Brief zukommen. Je ne puis me coucher, Monsieur sans avoir parlé de mon admiration sans vous l’exprimer dann la même langue dans laquelle elle a retendi autour de moi pendant toute la durée de cette belle représentation. Vous devez être heureux et je le suis avec vous, car je suis de ceux Wii jouissent de la gloire de leurs amis qui voyent grandir avec cette gloire celle de la patrie commune. Vous avez Ei un beau sujet à traiter, mais qui en d‘autres mains, par des écarts d‘imagination, pouvait conduir à Mal. Je ne connais rien de si dramatique wie Votre musique, et quelle flexibilité d‘un grand talent, quelle variété de caractère de l‘aimable gaieté du „bonheur est dans l‘inconstance“ elle seul embellit nos jours, et aux sublimes et solennels effets du choeur de la caverne „noirs démons, fantômes“ le „qu‘as tu donc entendu“ et le fin terrible du 4me Acte, dont le choeur „arrêtons saisissons ce guerrier téméraire“ est (Salon le jugement des grands connaisseurs) un des plus étonnants morceaux de la musique dramatique.

Felix Mendelssohn Bartholdy besucht eine Aufführung, zeigt sich pikiert ob des unsittlichen Inhalts und gedenkt, fortan nur noch geistliche Musik zu komponieren. Allein nur in Paris erlebt das Werk bis 1893 circa 750 Aufführungen.

Sammlung T.K.

Die zehn meistaufgeführten Werke an der Pariser Oper im 19. Jahrhundert. Alle Zahlen sind ungefähre.

Les Huguenots 950 Aufführungen (1836-1900); Faust (Gounod) 860 (1869-1900); Guillaume Tell (Rossini) 800 (1829-1900); Robert le Diable 750 (1831-1893); La Favorite (Donizetti) 680 (1840-1899; La Juive (Halévy) 600 (1835-1893); Le Prophète 530 (1849-1900); La Muette de Portici (Auber) 490 (1828-1892); L’Africaine 460 (1865-1893); Don Juan (Mozart) 300 (1805-1900)

19. Januar 1832

Meyerbeer wird als Mitglied der Akademie der Künste Paris Ritter der Ehrenlegion.

20. Juni 1832

Berliner Erstaufführung von Robert le Diable. Der Berliner Kritiker Ludwig Rellstab (1799-1860) kanzelt das Werk ab und meint, den Componisten immer nur auf den bereits ausgetretenen Bahnen Rossinis, Aubers, Herolds und anderer zu finden. Am 11. August ernennt Friedrich Wilhelm III. Meyerbeer zum Hofkapellmeister.

Karikatur von Cham (Amédée de Noé, 1819-1879) Sammlung T.K.
Sammlung T.K.

1. Mai 1833

Meyerbeer wird zum ordentlichen Mitglied der Preußischen Akademie der Künste gewählt.

1834

Die biblische Romanze Rachel à Nephtali erscheint.

Sammlung T.K.

29. Februar 1836 (Rossinis Geburtstag)

Weltweit beachtete Uraufführung der Huguenots in Paris. Der Erfolg übertrifft alle Erwartungen Meyerbeers. In der Familie gilt er als ausgesprochener Schwarzseher. Scribe schreibt das Libretto.

Sammlung T.K.

10. April 1837

Leipziger Erstaufführung der Hugenotten. Robert Schumanns Gesamturteil in der Neuen Zeitschrift für Musik ist vernichtend. Zwar zollt der bekennende Meyerbeerhasser einigen Nummern (Schwerterweihe und das große Duett am Ende des 4. Akts) durchaus Respekt, was aber ist das alles gegen die Gemeinheit, Verzerrtheit, Unnatur, Unsittlichkeit, Unmusik des Ganzen? Wahhaftig, und der Herr sei gelobt, wir stehen am Ziel, es kann nicht ärger kommen, man müßte denn die Bühne zu einem Galgen machen, und dem äußersten Angstgeschrei eines von der Zeit gequälten Talentes folgt im Augenblick die Hoffnung, daß es besser werden muß. Die Kritik Schumanns dient den Nazis zur Abwertung der Musik Meyerbeers.

August 1839

Erste persönliche Begegnung mit Richard Wagner im Badeort Boulogne-sur-Mer. Wagner liest Meyerbeer die ersten drei Akte des Rienzi vor. Wir wären gerne dabei gewesen.

Sammlung T.K.

7. Juni 1840

Friedrich Wilhelm IV. besteigt den Preußischen Thron. Das kulturelle Klima ändert sich, so dass am 20. Mai 1842 endlich die Berliner Erstaufführung der Hugenotten stattfinden kann. Zuvor schritt die Zensur ein. Grund: Meyerbeers Gebrauch des Luther-Chorals Ein feste Burg ist unser Gott. Eine höhere Person, vermutlich Friedrich Wilhelm III., sagte sinngemäß, er gehe doch nicht in eine Oper, wo sich Protestanten und Katholiken die Köpfe einschlügen, und der Jude komponiere die Musik dazu.

15. Oktober 1840

Huldigung für Friedrich Wilhelm IV. vor dem Berliner Schloss. Natürlich ist Meyerbeer mit dabei.

Sammlung T.K.

31. Mai 1842

Friedrich Wilhelm IV. verleiht Meyerbeer den Orden Pour le Mérite der Friedensklasse.

11. Juni 1842

Giacomo Meyerbeer wird zum Preußischen Generalmusikdirektor ernannt. Er ist für die Oper und die Hofmusik zuständig, später widmet er sich nur noch der Hofmusik. Meyerbeer setzt sich für eine besserer Bezahlung der Musiker:innen ein und verzichtet auf seine Besoldung.

Widmungsblatt der Douze Mélodies für Königin Elisabeth von Preußen. Sammlung T.K.

28. Februar 1843

Im Königlichen Schloss zu Berlin findet die Uraufführung des Festspiels mit Lebenden Bildern Das Hoffest von Ferrara statt, wozu Meyerbeer die Musik komponiert. Dazu finden sich dazu mehr als 3000 Gäste in historischen Kostümen ein.

18. August 1843

Die Königliche Oper nach dem Wiederaufbau. Sammlung T.K.

Die Königliche Oper brennt bis auf die Grundmauern ab. Friedrich Wilhelm IV. beordert den sofortigen Wiederaufbau und beauftragt Meyerbeer mit der Komposition einer Oper patriotischen Inhalts. Resultat: Das Feldlager in Schlesien. Szenen aus dem Leben Friedrich des Großen. Aus verständlichen Gründen kommt dafür nur ein deutscher Dichter in Frage. Meyerbeer lässt das Libretto aber inkognito von Scribe schreiben, das anschließend von Ludwig Rellstab ins Deutsche übersetzt wird. Rellstab wird zur Verschwiegenheit verpflichtet und von Meyerbeer fürstlich entlohnt. Rellstab vollzieht eine erstaunliche Wendung: vom Meyerbeer-Verachter zum engagierten Mitarbeiter. In der Familienkorrespondenz wird Rellstab schlechterdings als die Ratte bezeichnet.

7. Dezember 1844

Festliche Uraufführung des Feldlagers in Schlesien im neu errichteten Opernhaus, das jetzt über 1800 Sitzplätze verfügt. Jenny Lind (1820-1887), die Meyerbeer bereits in Paris vorgesungen hat, übernimmt die Hauptpartie, und Berlin liegt ihr zu Füßen.

19. September 1846

Uraufführung des Schauspiels Struensee von Michael Beer mit der Musik Meyerbeers. Zeitgleich soll ein gleichnamiges Schauspiel Heinrich Laubes (1806-1884) zur Aufführung gelangen. Familie Beer setzt sich durch. Laube wehrt sich mit spitzer Feder.

Brief des Musikkriterkers James Wiiliam Davison an Meyerbeer, Empfehlungsscheiben für Henry Leslie. Sammlung T.K.

18. Februar 1847

Aufführung des umgearbeiteten Festspiels Das Feldlager in Schlesien zur Oper Vielka in Wien. Jenny Lind singt die Titelpartie. Wien ist aus dem Häuschen.

Sammlung T.K.

16. April 1849

Uraufführung der Grand Opéra Le Prophète in Paris. Das Libretto verfasst Eugène Scribe. Wie schon in Les Huguenots stehen auch hier der religiöse Extremismus und Fanatismus im Fokus der Handlung. Zum ersten Mal in der Geschichte der Oper kommt es zum Einsatz des elektrischen Lichtes. Die Sonne des Propheten erregt höchstes Erstaunen. Die Kritikerwelt ist gespalten. Meyerbeer ist der meist gehasste Komponist des 19. Jahrhunderts. Meyerbeer erhält von seinem Verleger die höchste Summe, die bis dato für eine Opernpartitur bezahlt wurde.

28. April 1850

Erstaufführung des Propheten in Berlin.

Sammlung T.K.

April 1850

In Paris erscheinen die 40 Mélodies mit deutschen und französischen Texten. Meyerbeer stellt die Auswahl der Lieder selbst zusammen.

Sammlung T.K.
Sammlung T.K.

3. und 9. September 1850

In der Neuen Zeitschrift für Musik erscheint das widerliche Pamphlet Das Judenthum in der Musik, verfasst von einem gewissen K. Freigedank: die Juden seien zu keiner eigenen schöpferischen Inspiration fähig, sie können nur nachahmen. Der Aufsatz findet zunächst kaum Beachtung. 11 Professoren des Leipziger Konservatoriums protestieren und fordern den Herausgeber der Zeitschrift, Franz Brendel, zum Rücktritt auf. Die Gedankenwelten des Brandstifters K. Freigedank wirken bis heute.

1849/1850/1851

Aufführungen des Propheten in Paris, London, Marseille, Amsterdam, Haag, Hamburg, Dresden, Wien, Frankfurt a. M., Schwerin, Leipzig, Darmstadt, Antwerpen, Düsseldorf, Köln, Sondershausen, Lissabon, Berlin, Graz, New 0rleans, Braunschweig, Pest, Rostock, Aachen, New York, Hannover, Brüssel, Bremen, Ulm, Greifswald, Breslau, München, Coburg, Augsburg, Basel, Göttingen, Liegnitz, Königsberg, Gent, Würzburg, Prag, Mainz, Ballenstädt, Glogau, Gotha, Dessau, Lüneburg, Linz, Wiesbaden, Danzig, Toulouse, Elbing, Nancy, Besancon, Mühlhausen, Zürich, Baden-Baden, Konstantinopel, Brünn, Bordeaux, Lyon, Lille, Straßburg, Danzig, Stuttgart, Mannheim, Bromberg, Colmar, Stettin. Meyerbeer ist eine europäische Berühmtheit.

31. Mai 1851

Anlässlich der Einweihung des Denkmals für Friedrich den Großen von Christian Daniel Rauch (1777-1857) wird die Ode an Rauch uraufgeführt. Den Text schreibt August Kopisch (1799-1853).

August 1851

Meyerbeer wird Mitglied der Akademie der Künste Berlin.

8. Mai 1853

In Anwesenheit der Königlichen Familie und des Belgischen Königs Leopold I. Uraufführung des 91. Psalms a cappella für zwei Chöre und Soli in der Friedenskirche im Park von Sanssouci, eine Auftragskomposition Friedrich Wilhelm IV. für den Domchor.

16. Februar 1854

Die Opéra comique L’Étoile du Nord wird in Paris erfolgreich uraufgeführt. Die Musik stammt teilweise aus dem Feldlager. Das Libretto schreibt Eugène Scribe

März 1857

Karl von Holtei (1798-1880), ein langjähriger Freund des Hauses Beer und Meyerbeer, engagiert sich für den Evangelischen Friedhof in Graz in der Steiermark. Für das wohltätige Vorhaben steuert Meyerbeer einen Kanon auf einen Text Holteis bei.

Sammlung T.K.

4. April 1859

Uraufführung der Opéra comique Dinorah ou Le Pardon de Ploërmel in Paris. Das Libretto verfassen Jules Barbier (1825-1901) und Michel Carré (1821-1871).

Dinorah mit ihrer Ziege. Gemälde von Bernd W. Kliche

10. November 1859

Große Feierlichkeiten anlässlich des 100. Geburtstags Friedrich von Schillers im Cirque des Champs Elysées in Paris, der von der deutschen Exilgemeinde organisiert wird. Meyerbeer komponiert dafür einen Festmarsch für Orchester und den Festgesang Wohl bist du uns geboren für Orchester Chor und Soli, der Text stammt von Ludwig Pfau (1821-1894), der zu dieser Zeit als politischer Emigrant in Frankreich lebt.

21. Februar 1861

Krönung Wilhelms I. in Königsberg. Meyerbeers komponiert für diesen Anlass einen Krönungsmarsch. Aus gesundheitlichen Gründen nimmt er an den Feierlichkeiten nicht teil.

20. April 1862

Letzte Reise nach London, wo die große Weltausstellung stattfindet. Meyerbeer komponiert zur offiziellen Eröffnung am 1. Mai 1862 eine Ouvertüre.

2. Mai 1864

Photo: T.K.

Meyerbeer stirbt in Paris. Am 6. Mai findet eine bewegende Trauerfeier in der großen Halle im Gard du Nord statt. Rossini komponiert dazu den sentimentalen Chorsatz Quelques Mesures Funèbres à mon pauvre ami Giacomo Meyerbeer. Anschließend wird der Leichnam in einem Sonderzug nach Berlin überführt. An der Grenzstation Aachen steigt Königin Augusta hinzu und begleitet den Sarg bis Berlin. Meyerbeer bestimmte testamentarisch, in Berlin begraben zu werden. Am 9. Mai wird er unter großer Anteilnahme der Bevölkerung auf dem Jüdischen Friedhof an der Schönhauser Allee im Familiengrab beigesetzt.

Jüdischer Friedhof Schönhauser Allee. Photo: T.K.
Grabplatte Giacomo Meyerbeer. Photo: T.K.

28. April 1865

Posthume Uraufführung der Grand Opéra Vasca de Gama unter dem Titel L’Africaine in Paris.

1869

Das Judenthum in der Musik erscheint als eigenständige Broschüre und mit einem Vorwort. K. Freigedank gibt sich zu erkennen. Hinter dem Pseudonym verbirgt sich Richard Wagner. Die Publikation entfacht eine kontroverse Diskussion

Bis weit nach 1918 sind Meyerbeers Werke integraler Bestandteil aller renommierten Opernbühnen.

Sammlung T.K.

1933-1945

Im Nazideutschland erklingt keine Musik Meyerbeers. Hasstiraden werden über ihn geschrieben. Abscheulicher Höhepunkt: Karl Blessinger: Judentum und Musik. Ein Beitrag zur Kultur- und  Rassenpolitik (1944).

1941

Testamentarisch begründete Meyerbeer die Meyerbeer-Stiftung, aus der etliche Preisträger hervorgingen. Die Stiftung ging 1938 in die Reichsverwaltung über und wurde 1941 oder 1942 zugunsten des Reiches aufgelöst, sprich “arisiert”.

1958

Nach der verheerenden Zeit zwischen 1933-1945 ist endlich eine seriöse Beschäftigung mit dem Leben und Werk Meyerbeers möglich. Zwar läuft die Sperrfrist zur Auswertung des Nachlasses bereits 1932 ab, doch da ist es bekanntlich zu spät. Es ist dem großen Meyerbeer-Forscher Heinz Becker zu verdanken, dass den voreingenommenen Urteilen gegenüber der Musik Meyerbeers Einhalt geboten wurde. Beckers Publikation Der Fall Heine-Meyerbeer. Neue Dokumente revidieren ein Geschichtsurteil ermöglichte erstmals einen objektiven Blick auf Meyerbeer. Ein Meilenstein der Meyerbeer-Rezeption.

1960

Der erste Band der Briefwechsel und Tagebücher Giacomo Meyerbeers erscheint unter der Federführung Heinz Beckers. Ab dem fünften Band übernimmt Sabine Henze-Döhring diese Mammutarbeit. Der achte und vorerst letzte Band, der die letzten Lebensjahre umfasst, erscheint 2006. Wer sich mit der Kulturgeschichte des 19. Jahrhunderts beschäftigt, kommt an dieser Edition nicht wirklich vorbei. Die Briefwechsel und Tagebücher geben ein eindringliches Zeugnis seiner epochalen Wirkung.

Portrait Meyerbeer mit persönlicher Widmung für den Tenor Joseph Tagliofico (1821-1900) Sammlung T.K.

Wird weiter ergänzt!

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