Vortrag von Morten Grage
Für ihre dritte Grand Opéra Le Prophète fanden Giacomo Meyerbeer und sein Librettist Eugène Scribe ihr Sujet in der deutschen Geschichte: das Täuferreich von Münster in der Zeit der Reformation. Dabei konzentrierten sie sich auf die schwer zu fassende Figur des Täuferkönigs Jan van Leiden: eine charismatische Figur, die zwischen ‚echtem‘ Heroismus und ‚falscher‘ Scharlatanerie changiert. Dadurch wird die Oper zu einem Stück über die Möglichkeit und Unmöglichkeit von Helden in Geschichte und Gegenwart. Anhand der schillernden Hauptfigur zeigt der Musikwissenschaftler Morten Grage, wie Meyerbeer und Scribe ein Werk vorlegten, das in Bezug auf das Heroische eines der modernsten Stücke im Musiktheater des 19. Jahrhunderts bildet.
Dr. Morten Grage studierte Musikwissenschaft und Geschichte an der Berliner Humboldt-Universität und an der Università degli Studi Pavia/Cremona und promovierte 2024 an der Hochschule für Musik Karlsruhe mit einer Arbeit zu Helden und dem Heroischen in der deutschen, französischen und italienischen Oper des mittleren 19. Jahrhunderts. Seit März 2025 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter am DFG-Projekt „Berliner Opernkultur 1925–1944“.